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Von einem Waldbrand eingeschlossen sein und andere Lektionen aus Waldbränden

Vom Alle gegen das Feuer“ bis zum Waldmanagement, die neuen Schulungsparameter bei der Waldbrandbekämpfung.

 

 

vft: Deine Beziehung zu Waldbränden begann schon sehr früh.

 

A.T.: 1994 war ein Jahr großer Waldbrände im gesamten Mittelmeerraum. Es sind viele Hektar verbrannt. Ich war 10 Jahre alt und in den Sommerferien in einem Landhaus, in dem meine Großeltern im Dorf, in Bocairent, gearbeitet haben. Ich habe mit meinen Cousins und Cousinen in der Nähe des Hauses gespielt, als wir viel Rauch bemerkt haben. Die Flammen kamen schnell näher und wir beschlossen, über einen Waldweg zu fliehen, der stark bewachsen war. Als wir den Weg entlang liefen, habe ich den Absturz eines russischen Flugzeugs gesehen, eine Antonov mit sechs Besatzungsmitgliedern. Fast alle sind bei dem Unfall gestorben. Jetzt, wo ich mich mit Waldbränden besser auskenne, habe ich festgestellt, dass wir als Meldung in den Zeitungen hätten erscheinen können! Der Instinkt hat uns in diesem Moment gesagt, wir sollten wegrennen, aber sicherer wäre es gewesen, uns zurückzuziehen und uns selbst zu schützen. Wir hatten Glück. Diese Situation hat mich geprägt.

 

vft: Und du hast beschlossen, Forstwirtschaft zu studieren.

 

A.T.: Ja. Und während des Studiums habe ich bei der Freiwilligen Feuerwehr angefangen.

 

vft: Du hast fast alle Positionen einer Einrichtung durchlaufen...

 

A.T.: 2007 bin ich als Verstärkung zur Feuerwehreinheit im Land Valencia für die Sommereinsätze gekommen. Und 2010 habe ich als Technikerin bei einer Helikoptereinheit in Guadalajara angefangen. Dann bin ich wieder in meine Heimat zurück und habe als Kommunikationsbeauftragte, Fahrerin eines Spritzenwagens, Spezialistin und Chefin der Einheit und eine zeitlang für die Feuerwehrzentrale gearbeitet. Das waren aber nur einige Monate. Ich habe dort Mitteilungen verschickt und Alarmmeldungen entgegengenommen. Diese letzte Aufgabe war nicht meine Lieblingstätigkeit, weil ich mich nicht aktiv an den Einsätzen beteiligen konnte, aber es hat mir einen allgemeinen, umfassenden und strategischen Einblick in die Notfalldienste gegeben. Ich habe gelernt, wie die Informationen von den Einheiten an die Zentrale weitergegeben werden müssen. Ich habe die Bedeutung der Zusammenarbeit verstanden und die Bedürfnisse aller beteiligten Parteien. Wenn du in einen Notfall versunken bist, hast du manchmal einen sehr beengten Blick. Zu wissen, dass es viele Formen gibt, eine Situation zu lesen, erzeugt Empathie und Respekt für die fremde Arbeit.

 

 

vft: Was hat es dir gebracht, diese verschiedenen Etappen zu durchlaufen?

 

A.T.: Sicherheit, Kenntnisse, Anpassungsfähigkeit an neue Herausforderungen und Anforderungen.

 

Das Erlebnis meiner Kindheit hat meine Berufswahl geprägt; nicht nur als Feuerwehrfrau, sondern hat auch eine innere Unruhe in mir geweckt, mein Wissen weiterzugeben und aus den Fehlern zu lernen, um tragische Ausgänge zu verhindern.

 

vft: …

 

A.T.: 2011 habe ich begonnen, die Ausbildung mit dem Präventions- und Löschmanagement unter einen Hut zu bringen und habe Kurse und Workshops geleitet. Einige Jahre später habe ich die Gelegenheit bekommen, als Ausbildungsleiterin bei der IVASPE (Institut Valencià de Seguretat Pública i Emergències,- Valenzianisches Institut für öffentliche Sicherheit und Notfälle) zu arbeiten. Und 2017 habe ich bei der technischen Schulungseinheit des Brandbekämpfungsdienstes in Valencia angefangen, wo ich heute bin. Die Ausbildung der Einrichtung zu leiten, wo du geboren bist, ist eine wunderbare Erfahrung.

 

vft: Hast du festgestellt, dass es größeres Interesse an der Ausbildung gibt?

 

A.T.: Ja unbedingt und besonders bei den praktischen Kompetenzen. Die Ausbildung ist die Grundlage der Erziehung und der Lehre. Wir liefern Kenntnisse und trainieren Fähigkeiten. Wir versuchen zu vermitteln, dass sich die Einheiten nicht auf das Erreichen einiger weniger Ziele beschränken, sondern dass sie Teil von etwas Größerem, eines Teams, sind, das zusammengehört.

 

vft: Hast du eine Weiterentwicklung der Lehrmethoden und bei dem Diskurs festgestellt, wie die Feuerwehrleute bei der Prävention und Brandbekämpfung angeleitet werden, um sich an die neue Generation von Waldbränden anpassen zu können?

 

A.T.: Ja. Ich kann mich noch erinnern, dass in der Universität, als ich das Fach Waldbrandbekämpfung studiert habe, die Ausbildung auf dem Brandbekämpfungsmodell „Alle gegen das Feuer“ basierte. Der Professor, der den Unterricht geleitet hat, hat heute eine verantwortliche Stelle im Land Valencia und seine Einstellung hat sich ebenfalls vollkommen geändert. Wir haben uns alle angepasst, je mehr wir gelernt haben. Wir haben Situationen erlebt und die Realität angenommen. Heute sprechen wir von Feuerökologie, Brandmanagement, Ökosystem-Reaktion. Es werden Themen unterrichtet, die früher unvorstellbar waren. Ausbilder zu sein, bedeutet, immer auf dem Laufenden zu bleiben und die Kenntnisse aufzufrischen.

 

vft: Schaut ihr auch auf das, was in anderen Ländern gemacht wird?

 

A.T.: Wir versuchen es. Manchmal ist die Unmittelbarkeit und die Fülle der Informationen, die es in den Netzwerken gibt, erdrückend. Der Begriff der Infotoxizität, von der Marc Castellnou spricht, ist real. Aber wir versuchen, in Hinblick auf die Kongresse auf dem Laufenden zu sein, wir beobachten wie die Brandbekämpfungsstrategien und das Brandmanagement in anderen Ländern gehandhabt wird und wir versuchen, daraus zu lernen und auf unsere Realitäten zu übertragen.

 

 

vft: Kannst du uns eine Anekdote aus dem Unterricht erzählen?

 

A.T.: Einmal als ich von Feuerökologie und Landmanagement gesprochen habe, hat sich ein Schüler gemeldet, weil er eine heikle Frage stellen wollte. Er wollte wissen, warum, wenn doch alle Fachleute genau wissen, dass das Landmanagement der Schlüssel zum Kampf gegen große Waldbrände ist, die Politiker immer noch so auf das Löschen von Bränden konzentriert sind.

 

vft: und was hast du ihm geantwortet?

 

A.T.: „Wenn ihr in Zukunft in einer Position mit Entscheidungsgewalt seid, möchte ich nicht, dass ihr Entscheidungen trefft, die ich getroffen hätte, sondern ich möchte, dass ihr euch fragt, was wir tun können und wie wir es bisher getan haben. Ihr müsst verschiedene Gesichtspunkte bewerten, wie die Dinge gemacht werden können“. Das ist meine Aufgabe als Schulungsleiterin. Wir bilden die heutigen und zukünftigen Generationen in den Notfalldiensten aus. Wir sähen was wir ernten. Ein Bewusstsein zu schaffen ist etwas Schönes.

 

vft: Müssten im richtigen Verhältnis die Kenntnisse der Gesellschaft zum Landmanagement verbessert werden?

 

A.T: Wir müssten die Eigentümergemeinschaften informieren und schulen. Wir vergessen immer zu schnell die Vergangenheit. Wir hatten schon komplizierte Situationen, bei denen Menschen an der Schnittstelle Stadt-Wald eingeschlossen wurden. Das ist bei Bränden in Pedrograo in Portugal passiert, auch in Griechenland. Wir wissen, dass es wieder passieren wird, aber wir wissen nicht, mit welcher Intensität. Das Brennstoff- und Risikomanagement durch Prävention ist entscheidend, beispielsweise, mit vorgeschriebenen Brandschutzschneisen, einem Werkzeug, bei dem verschiedene Institutionen zusammenarbeiten (die koordinierte Arbeit einer Multiagentur), und ein Werkzeug zum kontrollierten Lernen vom Feuer mit konkreten Parametern und Zielen.

 

vft: Es gibt auf gesellschaftlicher Ebene kein Risikobewusstsein.

 

A.T: Einmal hat einer meiner Kollegen an einer Diskussion zur Steigerung des Bewusstseins in einem Dorf im Land Valencia teilgenommen und um dieses Bewusstsein zu schaffen, hat er den Teilnehmern den historischen Verlauf der Brände vorgelegt. Am Ende des Tages war ihnen klar, dass das gesamte Gemeindegebiet früher oder später schon einmal Brände erlebt hatte. Wir leben in einer Umgebung, in der Feuer Teil des Ökosystems ist, etwas, was wir nicht wegdiskutieren können. Die Gesellschaft muss verstehen, dass sie die Lage und die Arbeit der Brandbekämpfungseinheiten erleichtern muss, indem sie sich der bestehenden Risiken bewusst ist, und sie muss dementsprechend handeln.

 

vft: Wie sind die Brände im Land Valencia, haben sie sich verändert?

 

A.T: Die meisten unserer Brände sind absichtlich gelegte Brände, aber wenn ein Risikofenster besteht, ergeben sich die bekannten Großbrände (Grandes Incendios Forestales, GIF). Wir haben wenige GIF, die große Flächen verbrennen, und manchmal treten Brände gleichzeitig auf. Deshalb kann man hinsichtlich der Entwicklung von Waldbränden sagen, dass sie sich verändert haben. Das sozioökonomische Modell ist auch betroffen. Die Landflucht, die brachliegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen und die forstwirtschaftliche Nutzung haben dazu geführt, dass die Waldflächen gewachsen sind aber die Qualität schlechter geworden ist. Die Brände verändern sich, weil sich die Ausbreitungsumgebung verändert. Im Land Valencia sprechen wir oft vom Brandbekämpfungsparadoxon.

 

vft: Was ist das?

 

A.T.: Wir haben gewöhnlich sehr kleine Brände und die Antwort der Löscheinheiten ist so gut, dass es bei kleinen absichtlich gelegten Bränden bleibt, die sehr wenig Land und sehr wenig Brennstoff verbrauchen. Der Überschutz wird falsch verstanden. Es ist wie sich nicht impfen zu lassen. Solange die Krankheit einen nicht trifft, ist es kein Problem, aber wenn sie kommt, sind deine Abwehrkräfte schwach und das Schadenspotenzial ist weitaus höher.

 

vft: Ein sehr guter Vergleich.

 

A.T.: Auf dem Land findet sich der Brennstoff, der je nach den unterschiedlichen Faktoren mehr oder weniger verfügbar ist: abhängig vom historischen Verlauf der Niederschläge und der Temperaturen, Forstmanagement, Krankheiten, Plagen, etc. Der Klimawandel führt dazu, dass die Forstbestände nicht unter den gleichen Bedingungen wachsen wie zu Anfang als sie gepflanzt wurden oder sie wachsen außerhalb der eigentlichen Jahreszeit. Dies ist alles etwas latent und wartet darauf, dass der richtige Moment eintritt (einige Tage Westwind, starke Windböen oder ein regenarmer Frühling, der hydrischen Stress hervorruft), um Großbrände entstehen zu lassen. Manchmal verstehen die Menschen nicht, dass es Brände gibt, die nicht gelöscht werden können. So wie die Seerettungsdienste, die nicht hinausfahren können, wenn Wellen von X Metern herrschen, muss man auch verstehen, dass den Brandbekämpfungseinheiten Grenzen gesetzt sind und sie sich nicht jedem Risiko aussetzen können. Deshalb ist die Strategie bei GIF anders..

 

 

vft: Unsere Wälder haben nicht die Vegetation, die sie haben müssten?

 

A.T.: Die Vegetation, die wird haben, ist unter Bedingungen entstanden oder wurde aufgeforstet, die nicht so sind wie jetzt, vor 50 oder 100 Jahren (je nach Art). Es ist die Vegetation, die damals gepasst hat. Die klimatische Umgebung hat sich verändert: Die Durchschnittstemperaturen sind angestiegen, die gut verteilten Niederschläge sind zurückgegangen (sie konzentrieren sich auf einige wenige sehr konkrete Phasen in extremen Regenzeiten, die durch den Klimawandel hervorgerufen wurden). Unsere Waldbestände sind an etwas angepasst, was heute nicht mehr stimmt. Darüber hinaus haben wir eine natürliche Störung beseitigt, das Feuer in Ökosystemen. Wir verwalten den Brennstoff nicht; weder in natürlicher Weise mit Bränden, noch in künstlicher Weise, wie es schon vor ewigen Zeiten gemacht wurde, mit Viehzucht, Landnutzung, etc. Wir haben den Wald aufgegeben und seinem Schicksal überlassen.

 

vft: Was war das schlimmste Waldbrand-Jahr, an das du dich erinnern kannst?

 

A.T.: Das Jahr 94, in dem fast 140.000 ha verbrannt sind. Im Land Valencia. Jenes Jahr habe ich aber nicht als Feuerwehrfrau erlebt, da ich noch sehr klein war. Für mich war das schlimmste Jahr, an das ich mich erinnern kann, das Jahr 2012. Wenn du zur Feuerwehr kamst, warst du ein Grünschnabel, weil du das Jahr 94 nicht erlebt hattest. Heute werden wir, die wir 2012 erlebt haben, auch schon ein bisschen respektiert. (haha)

 

 

Im Jahr 2012 haben wir die Kampagne am 1. Juni mit einem Brand von 600 ha begonnen. Ich erinnere mich, als ich von diesem Einsatz zurückkam, scherzte ein Kollege, „Wenn wir solche Brände jeden Monat hätten, würden sich viele diese Arbeit noch einmal gut überlegen“. Am 12. Juni hatten wir einen mit 1300 ha, am 28. Juni eine weiteren in Cortes de Pallás mit 30.000 ha und am Tag darauf einen in Andilla mit 21.000 ha. Im August in Torre de les Maçanes, ungefähr 700 ha, dabei sind zwei Kameraden gestorben. Im September hatten wir einen weiteren Brand in Chulilla mit 7000 ha… das war ein sehr kompliziertes Jahr. Ich erinnere mich, dass ich selbst an den Tagen, an denen ich frei hatte, nicht ausruhen konnte, um mich körperlich und mental zu erholen. Ich war die Verantwortliche der Einheit. Alles was ich über Risikoprävention und Sicherheit in IVASPE gelernt hatte, habe ich in jenem Jahr als Crashkurs verinnerlicht. Damals habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, den zukünftigen Generationen von Feuerwehrleuten dies alles zu erzählen und sie auszubilden.

 

vft: Erzähl uns von einem Einsatzleiter, der dich geprägt hat.

 

A.T.: Meiner hauptsächlich. 2012 hatten wir in der Einheit, die ich geleitet habe, niemals zuvor mit Spritzenwagen gearbeitet, es waren bis dahin immer nur Handwerkzeuge, mit denen wir gearbeitet haben. Am 1. Juni wurde uns ein Lkw zugeteilt und mit diesem neuen Gerät haben wir uns zum Brand in Benagéber, im Landesinneren von Valencia, auf den Weg gemacht. Ich erinnere mich, dass ich ein komisches Gefühl hatte, so als würde etwas passieren. Wie eine schlimme Vorahnung. Ich habe immer Hunger, aber an dem Tag war mein Magen zu. Was dann tatsächlich passiert ist, war, dass alle Alarmsignale, die ich in den theoretischen Schulungen gelernt hatte, aufgetreten sind, aber ich war mir noch nicht bewusst, dass sie da waren. Es ergab sich eine Brandsituation in einem Bereich außerhalb des Umfangs, der sich in unsere Richtung weiterentwickelt hat, aber wir konnten es antizipieren und sehen. Bei Bränden muss immer OCELA angewendet werden, das Verfahren der Fluchtwege in sichere Bereiche, Beobachtung, Kommunikation und Verankerung. An jenem Tag haben wir das in die Praxis umgesetzt. Wir haben die Anzeichen gesehen. Und den Fluchtweg und wir sind alle rausgekommen. In dem Augenblick als das Feuer uns eingeschlossen hätte. Andere Einheiten erlitten Vergiftungen, manche Verbrennungen. Wir haben viel gelernt. Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, innezuhalten, zu schauen, zu denken und zu bewerten. Der Satz „wenn du in einem Waldbrand steckst, verlierst du keine 5 Minuten sondern gewinnst sie“ . Das nennt man heute Situational Awareness, aber damals kannten wir den Begriff noch nicht. Ich erinnere mich an die innere Unruhe, und dass ich dachte: „Muss ich an meine Position zurück, weil ich meine Arbeit nicht mache“. Trotz der vielen Informationen, hatte ich dieses Gefühl. Deshalb plädiere ich immer für Learning by Doing.

 

vft: Auf Grundlage der eigenen Fehler zu lernen

 

A.T.: Genau. Und man muss versuchen, die Fehler immer in simulierten oder kontrollierten Situationen auftreten zu lassen, damit die Teams die Ausbildung in sicherer Weise durchlaufen. Die bestmögliche Lehre ist das, was dir selbst passiert ist, was du selbst erlebt hast. In dem Moment und bei diesem Einsatz hat die gesamte Theorie eine Form für mich bekommen. Ich versuche den Unterricht so aufzubauen, dass sich die Schüler irren können, denn wenn man korrigiert wird bevor man handelt, lernt man nichts. Das erfordert Zeit, es ist keine Ausbildung für den Einsatz, aber die Resultate sind sehr positiv.

 

vft: Welche Lektion hast du von diesem Einsatzleiter gelernt?

 

A.T.: Ich habe gelernt, dass Teamwork bei Bränden nicht eine Möglichkeit ist sondern ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Du arbeitest nicht allein, es ist klar, dass jeder seine Aufgaben hat, aber der Erfolg liegt im koordinierten Teamwork. Das Training ist dabei eine grundlegende Voraussetzung. „Nur wer für das Unmögliche trainiert, ist auf das Wahrscheinlichste vorbereitet“. (Das heißt, bereite dich auf das vor, was du auf keinen Fall erleben möchtest, denn nur so bist du auf das vorbereitet, was geschehen wird). Die Motivation ist ebenfalls von grundlegender Bedeutung. Nur daraus ergeben sich die besten Resultate und du gibst das Beste. In jenem Jahr hatte ich ein großartiges Team.

 

vft: Wohin muss die natürliche Entwicklung der Feuerwehrleute gehen?

 

A.T.: Zur Zeit basiert die Arbeit sehr auf dem direkten Angriff, nahe des Umfangs und an den Bränden in ihrer Anfangsphase. Wenn der Einsatz einen erweiterten Angriff erfordert, brauchen wir eine eher strategische Vision, als Einheit. Um mit Antizipation zu arbeiten, muss man das Gelände sondieren und vorhandene Infrastrukturen nutzen, wie Präventionsstreifen, in Bereichen mit geringerem Brennstoffmaterial tätig werden, an Brandmanagementpunkten. Wenn die Brände bekämpft werden sollen, die auf uns zukommen, können wir nur Brandlöschmaßnahmen ergreifen. Die Einsatzkräfte müssen die Arbeit verankern, müssen Feuerschneisen schlagen und Ausweitungsfeuer ausführen können. Wir brauchen Infrastruktur im Gelände, um bestimmte Manöver starten und in sicherer Form arbeiten zu können, dies erfordert eine Vision und Teamwork bei der Prävention und Brandlöschung, um das Gelände bearbeiten zu können.

 

vft: Du hast in den USA mit dem Stamm der Karuk gearbeitet. Wie war die Erfahrung?

 

A.T.: Gut, das war keine Arbeit, ich war im Urlaub, im Feuerurlaub. Wir haben an einer TREX teilgenommen (eine Trainingsübung und ein Austausch), in Nordkalifornien. Drei Wochen lang haben wir mit dem Managementpersonal der Karuk und Yurok gearbeitet, das sind Stämme der amerikanischen Ureinwohner in dieser Region. Ich erinnere mich an meinen ersten Kontakt mit ihnen. Wir kamen in einem Geländewagen an, mitten in der Nacht, und haben uns im Haus von Margo Robbins vorgestellt, einer der Frauen, die eine Gruppe des Feuerrats, dem Kulturrat des Brandmanagements (Cultural Fire Management Council, CFMC), leitet. Dort haben die Frauen eine sehr wichtige Rolle.

 

 

A.T.: Am nächsten Tag, kann ich mich erinnern, waren wir in einem Gebiet mit Tannen und sie sagten uns, dass wir mit einer Motorsäge hineingehen sollten, um sie auszulichten und später eine Brandschutzschneise zu legen. Ich dachte: „Wenn die mich in Valenica sehen würden, wie ich eine Tanne von eineinhalb Metern Durchmesser umsäge, würden die mich ins Gefängnis stecken!“. Aber dort waren sie eine Art, die kontrolliert werden musste, da der Wald alle offenen Flächen zu schließen begann und es mussten Bereiche für die Jagd geöffnet werden, nicht nur für die Menschen, sondern auch für andere Tiere, die offene Flächen zum Jagen brauchen.

 

 

vft: Was hat dich bei diesem Austausch am meisten überrascht?

 

A.T.: Es hat mich beeindruckt, wie sie die Tatsache verinnerlicht hatten, dass Feuer ein Teil des Ökosystems ist und dass man damit leben muss. Sie wissen, dass das Verleugnen der Realitäten und des Natürlichen Folgen haben kann, die alle tragen müssen. Dort werden noch viele Arbeiten manuell ausgeführt, ganz nah an den kulturellen Traditionen. Sie sind sich sehr bewusst, dass die Wälder mit einer gewissen Intensität brennen müssen, damit bestimmte Pflanzen, die sie zum Kochen verwenden, hochkommen können, um dem Vieh Futter geben und um Körbe für Babys flechten zu können oder auch zu medizinischen Zwecken. Wir waren sehr dankbar, dass wir ihnen helfen konnten, Brandschneisen in ihrem Land anzulegen, denn die Administration dort erlaubt zwar Managementaufgaben, aber sie haben nicht genug Personal, um diese Art von Arbeit zu machen und außerdem haben wir so Erfahrungen ausgetauscht.

 

 

 

vft: Was machen sie anders und was müssten wir hier übernehmen?

 

A.T.: Ja. Die Qualifizierung über die Praxisstunden. Dort haben sie ein hierarchisches System, das ICS, Incident Command System. Es ist ein System, in dem die Brandarten kategorisiert sind, sie analysieren und strukturieren die Komplexität, die jeder einzelne Vorgang haben kann. Über diese Parameter definieren sie, welche Mitarbeiter für den Einsatz im jeweiligen Brandtyp geeignet ist und welche Arbeiten er ausführen kann. Dies wird nicht nur auf Grundlage des Ausbildungsabschlusses, den sie innehaben, oder den Posten, den sie bekleiden, entschieden. Die Möglichkeit zur Teilnahme erfolgt aufgrund der Erfahrung, des Verhaltens und der in gemeinsamen Übungen erworbenen Fähigkeiten (dazu sind dann noch die Trainingsstunden zu zählen, die darüber hinaus von Gutachtern bewertet werden). Wir haben eine Reihe von Prüfungen abgelegt bevor wir teilnehmen durften, die haben sie uns beglaubigt, damit wir in die dortige Struktur eingebunden werden konnten. Die Teilnahme und die erworbene Erfahrung dient der Entwicklung neuer Aufgaben. Das halte ich für richtig, denn es ist eine Art und Weise, die Menschen nach dem zu beurteilen, was sie wirklich leisten können. Das ist motivierend und nicht eingrenzend. Es gibt keine gläsernen Decken. Du kannst das sehen, was du sehen willst. Man muss nur Motivation beweisen, sich einsetzen und Zeit investieren.

 

vft: Was würdest du jemandem raten, der diesen Beruf wählen möchte?

 

A.T.: Etwas zu wünschen und zu wollen, gibt die notwendige Energie, es zu tun. Die Welt der Feuerfreaks oder die Feuerfamilie ist voll von großartigen Experten, Personen, die die Natur lieben und pflegen. Sie machen transzendente Erfahrungen. Es ist ein Sektor, der mit Berufung zu tun hat, bei dem es zu sehr interessanten Begegnungen kommt. Wenn ich noch einmal anfangen würde, würde ich genau denselben Weg einschlagen.