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Landmanagement zur Verhinderung großer Waldbrände

Werkzeuge und Manöver für die Bekämpfung einer neuen Generation von Waldbränden in UK

 

 

 

Craig Hope schloss sich 1993 der Feuerwehr an und hat in vielen verschiedenen Bereichen und Feuerwachen gearbeitet. 2003 wurde er Wachabteilungsführer in einer der einsatzreichsten Waldbrandstationen in Südwales, wenn nicht im gesamten UK. In den letzten 13 Jahren arbeitete er intensiv am Waldbrandprojekt mit. Dies umfasst die Einführung von spezialisierten geländegängigen Fahrzeugen, Wassersprühsystemen zur Brandbekämpfung, risikospezifischen PSA, neuen Taktiken und Schulungen, die kontrollierte und taktische Nutzung des Feuers und Verfahren für die Arbeit mit Brandbeobachtung und Brandbekämpfung mit Hubschraubern.

 

vft: Wenn wir mit lokalen Feuerwehrleuten und Ausbildern über Waldbrände in UK sprechen, hören wir gewöhnlich, dass das Jahr 2018 einen Durchbruch auf diesem Gebiet brachte (und die gesamte Dynamik verändert hat).

CH: Waldbrände in UK treten, anders als im restlichen Europa, normalerweise im Winter und Frühjahr auf. Aber 2018 war eine Art Weckruf; Wir hatten eine große Zahl an Bränden im Juli und August, was für uns eine riesige Herausforderung darstellte, da wir, obwohl wir auch schon extremes Feuerverhalten in unserem Land erlebt hatten, nicht daran gewöhnt waren, Sommerbrände zu löschen. Wenn der Boden so trocken ist, entzünden sich Feuer immer wieder neu und die üppig vorhandene Vegetation verstärkt deren Ausmaß.

 

vft: Haben Sie die Ursachen für diese Änderung des Musters feststellen können?

CH: In Spanien und Portugal kam es zu einer Abwanderung der Menschen vom Land in die Städte. In UK leben die Menschen noch auf dem Land, aber wir hatten Einbußen bei den Weidetieren, einen starken Rückgang an Schafen und Weidetieren, deshalb hat sich die Vegetation ausgedehnt. Die Landbewirtschaftung hat sich geändert und es wird eine Menge Waldwirtschaft betrieben. Diese liegengebliebenen Reste des Holzeinschlags, die wir als Holzschnitzel bezeichnen, sind sehr schwer zu löschen, wenn sie in Brand geraten. Natürlich hat auch der Klimawandel die Wetterbedingungen erheblich beeinträchtigt. Die Kombination dieser beiden Phänomene hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung unserer Waldbrände.

vft: Wie betrifft diese Entwicklung Ihre Arbeit?

CH: 2011, als ich zum ersten Mal als Wachabteilungsführer eingesetzt wurde, der für ein Team verantwortlich war, haben wir 4000 Anrufe im Jahr im gesamten Service erhalten, wobei aber die meisten kleine Feuer betrafen, die nur ein kleines Ärgernis darstellten. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Anrufe deutlich verringert, aber wenn Anrufe eingehen, dann handelt es sich um sehr große Brände, die mehrere Tage oder sogar 4 bis 5 Wochen anhalten können. Wir haben weniger Feuerausbrüche, aber auf der negativen Seite bedeutet dies, wenn man weniger Brände hat, wächst die Vegetation höher, was wiederum zu viel größeren Bränden führt. Deshalb kann eine Politik der Reduzierung von Feuerausbrüchen, ohne das nachfolgende Vegetationswachstum zu kontrollieren, nicht funktionieren.

 

vft: Wie ist die Situation in Südwales?

CH: In Südwales gibt es viel Wald, der ursprünglich aufgeforstet wurde, um Holz für die Kohleminen bereitzustellen. Jetzt sind sie geschlossen und wir haben eine Menge verlassenes Grasland ohne Weidetiere darauf, offenes, ungenutztes, mit Pfeifengräsern bewachsenes Land. Dadurch treten viele Waldbrände auf.

vft: Ist das der Grund dafür, warum Ihre Stationen besser ausgestattet sind als andere im Land?

CH: Wir haben Glück, denn die Tatsache, dass es hier mehr Waldbrände gibt, hat ein Risikobewusstsein unter den Menschen geschaffen und wir sind besser vorbereitet. Wir haben jetzt Teams, die kontrollierte Verbrennungen und taktische Brandreduzierungen ausführen können. Wir haben einen Hubschrauber im Einsatz. Wir schulen unsere Teams und führen sie vom Feuerwehrmann auf dem ganzen Weg zu taktischen Verantwortlichen für Waldbrandtechniken: wie diese zu planen sind und wie man sich einen Überblick über das gesamte Bild verschafft. Wenn wir kontrollierte Verbrennungen durchführen, gehen wir hinaus zu den vier Feuerwachen in der Region und arbeiten mit voller Ausrüstung mit Waldbrand-PSAs, Feuerwehrfahrzeugen und Werkzeugen. Es war ein langer Weg aber langsam kommen wir ans Ziel. Wir versuchen kontinuierliche Fortschritte zu machen.

vft: Sind sich die Menschen im restlichen UK der Risiken weniger bewusst?

CH: Sie müssen bedenken, dass unsere Vegetation anders ist als die in Südeuropa. Unsere Kollegen in Spanien oder Portugal können über das Land schauen und dir sagen, wo es vor 50 Jahren gebrannt hat und man die Narbe in der Landschaft immer noch sieht. In UK hatten wir vor zwei Monaten ein großes Feuer und das Land ist schon wieder grün geworden. Wenn man auf die Natur schaut, kann man nicht wissen, dass hier ein Feuer gebrannt hat. Feuer haben sehr viel kürzere Auswirkungen, das liegt an der Art, wie schnell sich die Vegetation wieder erholt. Auch wenn wir jetzt Sommer haben und es ziemlich warm ist, gibt es doch immer eine Menge Feuchtigkeit und Regen, so dass die Vegetation auch über den Sommer sehr gut wächst. Die Menschen verlieren bei Waldbränden nicht ihr Eigentum, weil unsere Häuser aus Backstein gebaut sind und Ziegeldächer haben. In dieser Hinsicht haben wir Glück, aber das verursacht ein anderes Problem; die Menschen sind nicht darauf fokussiert. Es braucht immer eine Katastrophe, um Menschen zum Umdenken zu bewegen. Zum Glück sind wir nicht in dieser Lage, aber was die Zukunft bringt, weiß niemand.

vft: Hat Covid-19 die Dinge für Feuerwehr und Rettungsdienste in UK schwieriger gemacht?

CH: Wir hatten einen wirklich trockenen Frühling bis in den Frühsommer hinein. Als wir die Ausgangssperre hatten, baten wir die Landbewirtschafter, keine kontrollierten Verbrennungen durchzuführen, da dies mit Risiken verbunden war. Jetzt mit Covid-19 hatten wir einige größere Brände und damit umzugehen, war bei den voneinander getrennten Feuerwehrmannschaften wirklich sehr schwierig. Wir hatten größere verbrannte Flächen bei weniger Feuerausbrüchen als im Jahr 2019. In Zahlen, 600 Waldbrände wurden entdeckt und 8000 Hektar verbrannten in diesem Jahr in Wales.

 

vft: Welche Werkzeuge waren in Ihrer Region am nützlichsten?

CH: Laubbläser haben sich im Frühling als sehr nützlich erwiesen, wenn der Boden noch feucht ist, aber wenn er dann ausgetrocknet ist, setzen wir wieder den 25 mm Forstschlauch ein, da wir wissen, dass wir Wasser brauchen, um diese Waldbrände zu bekämpfen. Wir verwenden Hochdruck-Löschsätze (wir haben 8 davon), 4 Land Rover und 4 Quads. Wir haben eine Art Werkzeugkasten für die Brandbekämpfung entwickelt, der je nach Vorfall und Jahreszeit eingesetzt wird. Wir versuchen, unsere Werkzeuge anzupassen, um die neuen Brände, die wir jetzt haben, bekämpfen zu können. Als ich 2012 in Katalonien war, legten wir Verteidigungslinien mit einem Gorgui an, ich sagte damals, dass unser Boden anders aufgebaut ist und dass dieses Werkzeug für Südwales nicht nützlich wäre. In den letzten Jahren haben wir, aufgrund der Trockenheit der Vegetation, einen Gorgui versuchsweise eingesetzt und begannen Verteidigungslinien damit anzulegen und mittlerweile ist es auch sinnvoll.

 

vft: Was sind die wirksamsten Taktiken und Manöver, die Sie angewandt haben?

CH: Das Effizienteste ist die taktische Brandreduzierung. Sie kann nicht immer eingesetzt werden, aber wenn es möglich ist, machen wir das, es spart eine Menge Ressourcen. In der Vergangenheit hätten wir gewartet bis Brände ausbrechen und hätten dann darauf reagiert. Jetzt wissen wir, wann die Brände entstehen, deshalb legen wir Brandschneisen vor der Saison an. Wir haben auch einen Forstmulcher, ähnlich dem Dronster. Er ist für die Brandprävention nützlich, aber wir haben ihn auch bei Bränden eingesetzt, um Brandschneisen anzulegen.

vft: Überwachen Sie Ihre Brände mit Satellitenbildern?

CH: Ja, aber nicht als formale Vereinbarung. Es gibt eine Reihe von Beratern unter uns, die Sentinel 2 und EFFES verwenden. Wir beobachten fortlaufend die Entwicklung des Wetters und der Index-Spreads. Wir nutzen auch die Unternehmenssoftware der NASA, um die Hotspots und die Brandflächen zu erfassen. Wir haben in diesem Jahr schon häufig Satellitenbilder genutzt, um die Brände in Dorset und Brecon Beacons, in Südwales, zu überwachen (wir hatten dort einen Brand über 1300 Hektar). Ich arbeite auch eng mit der Wissenschaft zusammen. Besonders mit der Swansea University, in der ich ein eingeschriebener Student für einen Master-Abschluss in Waldbrandbekämpfung und die öffentliche Wahrnehmung von Waldbränden bin. Ich habe festgestellt, wie schnell sich die Dinge verändern. Manche Dinge, die ich vor zwei Jahren geschrieben habe, sind heute gar nicht mehr aktuell.

 

vft: Könnten Sie einige Vorhersagen machen?

CH: Was ich in Südwales und in UK gesehen habe, ist, dass sich aufgrund mangelnden Landmanagements die Vegetation sehr stark ausgedehnt hat. Und es sieht auch so aus, dass wir die Menschen nicht davon abhalten können, Feuer zu legen (die meisten Brände in Südwales sind vorsätzlich gelegte Brände, wir wissen das, weil wir die dieselbe Anzahl an Bränden in der Nacht haben wie am Tag. Es wurden einige Untersuchungen in dieser Richtung durchgeführt, aber sie waren immer nicht beweiskräftig genug). Wir planen in der nächsten Saison eine Untersuchung der Brände mithilfe von geschulten Beamten. Meiner Meinung nach schützt uns nur das Wetter und es kommen schwere Zeiten auf uns zu, denn die Brände, die ich 2018 gesehen habe und die Brände in Südengland 2020 unterscheiden sich nicht mehr sehr von den Waldbränden, die ich in Spanien oder Portugal erlebt habe.

In der Zukunft könnte eine Art intelligente Einsatztruppe mit den Landbewirtschaftern arbeiten und nicht nur auf Waldbrände reagieren, aber all das braucht Land- und Vegetationsmanagement, das es in UK nicht gibt. Eine Ganzjahres-Lösung zu einem saisonalen Problem.